Stauseeholz aus Surinam

von / Sonntag, 07 Juli 2013 / Veröffentlicht inHotel

Regensdorf. Aus einem überfluteten Urwald in Südamerika stammt das Holz, das zurzeit im Trend-Hotel Eichwatt eingebaut wird. Ein weiter Weg von Surinam bis zum Terrassenboden in Regensdorf.  Olav Brunner

Das Trend-Hotel in Regensdorf Eichwatt steht in einer Veränderungsphase. Um sich von den standardisierten Hotel-Neubauten rund um den Flughafen abzuheben, plante Verwaltungsratspräsident Roger Gloor mit seinem Team einen Umbau, der in zwei Jahren abgeschlossen sein soll. Ein Herzstück dieser Neuausrichtung ist eine 700 Quadratmeter grosse Terrasse neben und hinter dem Hotel, die mit einer beweglichen Überdachung auch bei Regenwetter genutzt werden kann.

Der hölzerne Boden der Terrasse ist im Winter Wind und Wetter ausgesetzt. Gloor suchte deshalb ein Holz, das den Belastungen durch Hotelbetrieb und Wetter einige Jahrzehnte standhält. Dabei stiess er auf das Stauseeholz. In Surinam, dem kleinsten unabhängigen Staat im Norden von Südamerika mit einer halben Million Einwohner, wurde 1960 bis 1964 vom niederländischen Ingenieur Blommestein ein Stausee zur Stromerzeugung gebaut – der Blommesteinsee. Eine Urwaldfläche von 1500 Quadratkilometern versank dabei in den Fluten.

Die Urwaldbäume stehen noch heute auf dem bis zu 35 Meter tief gelegenen Seegrund. Seit einigen Jahren schneiden mittlerweile Taucherequipen mit pressluftgetriebenen Kettensägen die Bäume ab und bringen sie danach an die Wasseroberfläche.

Skepsis gegenüber Zertifikaten

Darunter befinden sich auch Walababäume, deren Holz sich durch eine besondere Härte und Witterungsfestigkeit auszeichnet. Weidezaunpfosten aus Walabaholz überstehen selbst in den Tropen mehr als 30 Jahre Pilzbefall und Fäulnis. Gloor liess sich von der Qualität des Stauseeholzes überzeugen, und ihn faszinierte die ganze Geschichte: «Ich hätte nie Holz von frisch gefällten Bäumen aus den Urwäldern gekauft. Der Urwald muss geschützt werden, und den Zertifikaten von nachhaltig produziertem Tropenholz traue ich nicht. Aber die Urwaldriesen im Blommesteinsee würden früher oder später nutzlos verrotten. Jetzt findet das Holz eine sinnvolle Verwendung in Regensdorf. Ich bin überzeugt, eine optimale Wahl getroffen zu haben.»

Einheimisches hält nicht stand

Die lange Lagerung der Walababäume im Wasser bewirkt, dass das harte Holz bei der Bearbeitung zu Dielen nicht Risse bekommt, wie dies bei frisch gefällten Bäumen geschieht. Aber hätten einheimische Hölzer den Anforderungen nicht auch genügt? Gloor prüfte verschiedene Sorten aus den hiesigen Wäldern. Doch keine andere Holzart erreicht weltweit die Härte und Langlebigkeit des Stauseeholzes. Der Preis für die in Surinam geschnittenen Dielen liegt im Mittelfeld und war für deren Wahl nicht ausschlaggebend. Zurzeit verlegen Handwerker die Dielen auf Betonblöcken, in wenigen Wochen werden Gäste darauf dinieren.

Neuer Name, neues Feeling

Das der Best-Western-Gruppe zugehörige Trend-Hotel erfährt demnächst eine Namensänderung und nennt sich zukünftig Thessoni-Classic. Dazu kommt neu das Thessoni-Home in der Grossüberbauung gegenüber der Migrol-Tankstelle und dem Studer-Geschäftshaus.

Im Thessoni-Home entstehen Studios für Langzeitgäste. «Die Hotelnamen sind die einzigen englischen Ausdrücke, die wir benützen werden. Wir wollen den Gästen eine einzigartige, ursprüngliche Ausstattung bieten, mit natürlichen Materialien, ohne Plastik», erklärt Gloor das neue Hotelkonzept. Und er ist gespannt, wie sich das Stauseeholz auf dem Terrassenboden farblich verändern wird und ob es die hohe Belastung aushält.

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